Erstellt am Dienstag, 14. März 2017 11:06 von Redaktion

Werbung auf Japanisch: ausgesprochen hygienisch

Man sagt den Japanern nach, ausgesprochen reinlich zu sein. Wer einmal das Vergnügen hatte, ins Land der aufgehenden Sonne zu reisen, fühlt sich bestätigt: Die Japaner sind reinlich – für unseren westeuropäischen Geschmack manchmal sogar einen Tick zu reinlich. Wer beim Spazierengehen das erste Mal auf mit Mundschutzmasken verhüllte Gesichter trifft, mag sich vielleicht ein klein wenig irritiert fühlen, doch der Gesichtsbehang hat einen triftigen Grund: Dieser soll vor einer Erkältung schützen – sowohl einen selbst als auch seine Mitmenschen. Und da Japaner vorwiegend in Großstädten leben und man dementsprechend auf viele Menschen trifft – Tokio hat zum Beispiel mehr als neun Millionen Einwohner vorzuweisen – ist die Gefahr einer Ansteckung natürlich  größer als in einem kleinen Dorf in Norddeutschland.

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Bildquelle: Photograph: NTT Docomo
https://www.theguardian.com/world/2016/dec/22/swipe-right-toilet-paper-for-smartphones-tested-out-in-japanese-airport-bathrooms

„Toilettenpapier“ fürs Smartphone

Aber hätten Sie gewusst, dass auch ein Smartphone ein regelrechter Seuchenherd ist? Dass sich auf dessen Oberfläche weitaus mehr Bakterien und Keime tummeln, quasi eine richtige Party feiern, als einer Klobrille? Da kann einem durchaus ein kleiner Ekelschauer über den Rücken laufen. Da kommt die Werbemaßnahme, die sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hat, des japanischen Telekommunikationsgiganten NTT DoCoMo gerade recht. Diese verbindet die japanische Highend-Toilettenkultur mit Smartphones. DoCoMo ließ am Narita International Airport in Tokio in mehreren WCs spezielle Papierrollen installieren. Diese sehen zwar auf den ersten Blick aus wie eine normale Klopapierrolle, sind aber ausschließlich dem liebsten Spielzeug des modernen Menschen vorbehalten: dem Handy. Mit allem, was darauf kreucht und fleucht wird jetzt kurzer Prozess gemacht und wird rigoros von dannen gewischt. Aber DoCoMo wäre nicht der größte Mobilfunkanbieter in Japan, wenn er die Klorollen nicht gleich auch als Werbeplattform nutzen würde. Zuerst wird jeder Papierrollen-Nutzer höflich mit „Welcome to Japan“ begrüßt. Darüber hinaus kann er sich über Wi-Fi Spots informieren und bekommt eine Ladung Japan-Reisetipps mit auf die Hand. Wer seinem Handy auch eine porentiefe Reinigung gönnen möchte, muss sich aber sputen. Die speziellen Klorollen gibt es nur noch bis März.

Taschentücher zum Werben

Wer sich in Japan in einer U-Bahn-Station befindet, einem Einkaufszentrum oder einem Ort, an dem viele Menschen zusammentreffen, bekommt von aufmerksamen Promotern häufig ein kleines Päckchen Papiertaschentücher zugesteckt. So sieht Werbung auf Japanisch aus! Das geschieht natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern um damit ein Immobilienbüro, eine Versicherungsagentur oder ein Restaurant zu bewerben, deren Logo sich darauf darauf befindet. Man könnte auch Flyer verteilen, Taschentücher sind aber eine tolle Alternative – von Taschentüchern kann man schließlich nie genug haben. Eines ist jedoch noch zu erwähnen, ausgiebiges Schnäuzen in der Öffentlichkeit gilt in Japan als Tabu!

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Bildquelle: http://publi-pocket.com/#work

Die kostenlosen Werbe-Taschentücher haben in Japan eine lange Tradition und existieren bereits seit den 60er Jahren. Yann Ferry, welcher mit seiner Familie dort zwölf Jahre gelebt hat, fand, dass es an der Zeit sei, diese hygienischen Gepflogenheiten nach Frankreich zu exportieren und gründete kurzerhand mit seinem Bruder Baptiste 2014 das Unternehmen „Publi Pocket“. Publi Pocket produziert nun im Akkord individualisierte Taschentücher. Einzig das Format und die Dicke sind laut Ferry anders, da das japanische Original den europäischen Nutzer zu sehr an Damenbinden erinnern könnte. Die größte Schwierigkeit besteht für Yann Ferry jedoch darin, überhaupt erst einmal einen Bedarf zu wecken, denn in Frankreich kennt man das Prinzip gebrandete Werbetaschentücher noch nicht. Aber wenn man bedenkt, dass allein in Frankreich jedes Jahr 20 Milliarden Taschentücher über den Ladentisch gehen, dürfte Ferry das sicherlich gelingen.

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Kleiner Filmtipp am Rande

Hat zwar nichts mit Klorollen und Taschentüchern zu tun, dafür mit Japan. Wer sich einen Eindruck von Tokio verschaffen möchte, sollte sich unbedingt „Lost in Translation“ mit Scarlett Johansson und Bill Murray anschauen. Die Autorin dieses Artikels kann die dort gezeigten Eindrücke aus eigener Erfahrung bestätigen.

Wir bedrucken zwar weder Klopapierrollen noch Taschentücher, dafür viele weitere schöne Dinge, mit denen Sie bei Ihren Kunden richtig Eindruck schinden können: von der spritzigen Secco Bianco Dose  über Zeitungen bis hin zu Buttons.


Quellen:
– https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/11/17/smartphones-sind-naehrboden-fuer-keime-und-bakterien/
– http://www.deutschlandradiokultur.de/schutz-aus-zellstoff-warum-so-viele-japaner-mundschutz.979.de.html?dram:article_id=292628
– https://www.graphiline.com/article/24781/c-quoi-papier-toilette-smartphone?utm_source=Graphiline-Hebdo&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter&utm_content=lien-article-texte
– https://www.graphiline.com/article/21907/paquet-de-mouchoirs-publicitaire-un-concept-importe-japon
– http://publi-pocket.com
– http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/bakterienschleuder-handy-diese-keime-sitzen-auf-dem-smartphone-aid-1.5757439
– https://www.theguardian.com/world/2016/dec/22/swipe-right-toilet-paper-for-smartphones-tested-out-in-japanese-airport-bathrooms


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