Erstellt am Montag, 12. Dezember 2016 8:33 von Redaktion

Schön in Schräglage: die Kursivschrift

Eine gute Verbindung

Typografie, Kursivschrift, Taschenbuch, Font, Aldinen, Antiqua, Aldus Manutius

Kursivschrift? Was war das noch einmal genau? Hier die Kurzerklärung: Eine Kursivschrift ist eine nach rechts geneigte Druckschrift. Und diese Kursivschrift ähnelt der schnörkeligen Schreibschrift, ist demnach also eine Art gedruckte Schreibschrift. Und dass der Begriff ‚Kursiv‘ nicht wie ein typisch deutsches Wort klingt, kommt auch nicht von ungefähr. ‚Kursiv‘ ist aus dem Lateinischen abgeleitet, wo es ‚currere‘, also ‚laufen‘ bedeutet. Kein Wunder, im Vergleich zur abgehakten Blockschrift wirkt die Kursivschrift doch um einiges bewegungsfreudiger und lebendiger. Im englischen Sprachgebrauch wird die Kursivschrift übrigens „Italic“ genannt, was aufgrund der starken Verbindung zu Italien nicht groß verwunderlich ist, wie wir später noch erfahren werden.

Eine gute Verbindung

Doch der Rechtsdrall und die Leichtfüßigkeit sind nicht das einzige Merkmal der Kursivschrift. Ein weiteres Merkmal ist die starke Verbundenheit der einzelnen Buchstaben untereinander. Wo bei der Blockschrift jeder Buchstabe für sich alleine steht und ein einsames Dasein fristet, herrscht bei der geselligen Kursivschrift ein enger Zusammenhalt. Dieser  Buchstabenverbund hat sogar einen eigenen Namen: Ligatur.

Zum Hervorheben

Heutzutage wird die Kursivschrift vor allem zum Hervorheben von bestimmten Textpassagen verwendet, wie zum Beispiel Überschriften oder Teile eines Abschnitts. In einem gängigen Textverarbeitungsprogramm findet sich diese Schrift meistens zwischen den beiden Hervorhebungen ‚Fett‘ und ‚Unterstreichen‘. Letztgenannte wirken jedoch im Vergleich zur Kursivschrift jedoch ziemlich plump. Bei der Kursivschrift geht es eine Spur graziler und filigraner zu.

Wer hat’s erfunden?

Als Erfinder der Kursivschrift gilt der venezianische Buchdrucker und Verleger Aldus Pius Manutius (1449‒1515). Der Buchdruck war noch jung und Manutius mischte damals kräftig mit, nicht nur als Drucker, auch als Typograf. Er entwickelte die bis dahin äußerst beliebte und aus der Handschrift abgeleitete Schriftart Antiqua weiter: die Kursivschrift war geboren. Diese orientierte sich zwar immer noch an der Handschrift humanistischer Gelehrter, aber aber weitaus besser lesbar und klarer. Die Kursivschrift verbreitete sich über die Grenzen Italiens hinaus und hat auch heute noch ihre Existenzberechtigung.

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Bildquelle: Catullus, Tibullus, Propertius. Venedig: Aldus Manutius, Januar 1502. 150 Bl., 15 x 9 cm.

Die Kursivschrift: ausgesprochen handlich

Der Venezianer Manutius erfand diese Schrift jedoch nicht einfach aus einer spontanen Laune heraus, er hatte einen triftigen Grund. Der Verleger wollte ein neues und handlicheres Buchformat auf den Markt bringen. Und für das kleinere Format (Oktavformat) war er gezwungen, möglichst platzsparend zu drucken. Die Kursivschrift machte es möglich. Durch die Aneinanderreihung der Buchstaben fallen viele Zwischenräume weg und die Schrift ist dadurch schmaler. Es passen somit mehr Wörter in eine Zeile, was sich insbesondere bei längeren Texten – wie den von Manutius veröffentlichten griechischen und lateinischen Klassikern des Altertums – bemerkbar macht. Warum er sich gerade diese Texte für sein Vorhaben aussuchte, lag auf der Hand: Manutius war nicht nur Idealist, Buchdrucker und Geschäftsmann, sondern auch  Lehrer.

Die Erfindung des Taschenbuchs

Im Grunde hat Manutius nicht nur eine neue Schriftart erfunden, sondern gleich eine frühe Form des Taschenbuchs: die sogenannten Aldinen. Diese Bücher waren günstiger in der Anschaffung als die damals üblichen Bücher. Manutius galt als treibende Kraft bei der Wiederentdeckung der antiken Literatur, zum Beispiel der Göttlichen Komödie, der Divina Commedia, des italienischen Dichters Dante. Auflagen von 3.000 Exemplare waren keine Seltenheit. Manutius demokratisierte somit ein Stück weit den Buchmarkt. Wer heutzutage im Besitz eines dieser Aldinen- Bücher ist, kann sich glücklich schätzen: Diese erzielen bei Auktionen hohe Preise.


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zu den Büchern


Doch war Manutius tatsächlich der Erfinder der Kursivschrift? Ein gewisser Mann bestritt dies seinerzeit vehement: Francesco Griffo, Stempelschneider bei Manutius. Dieser behauptete, der eigentliche Erfinder der Kursivschrift zu sein und nicht Manutius.

Neue Kursivschriften

Neuere Kursiv-Schriftarten (Fonts) als die von Manutius erfundene gibt es auch, zum Beispiel die 1953 vom französischen Grafiker Roger Excoffon erfundene und gerade in den fünfziger Jahren äußerst beliebte „Mistral“.

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Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6d/Mistral_font.svg/2000px-Mistral_font.svg.png

Probieren Sie es aus und setzen Sie die Kursivschrift doch ab und zu bei Ihren Flyern, Faltblättern, Broschüren oder Magazinen ein. Aldus Manutius würde es sicherlich freuen.


Ihr Interesse an Schriftarten ist geweckt? Dann sollten Sie noch einen Blick auf diese Blogartikel werfen. „Die 10 Gebote der Schriftauswahl“, „Neue Schriften braucht das Land: Kostenlose Schriftarten zum Download!“, „Font Management: 5 Tools zur Schriftenverwaltung im Vergleich“ und „3D-Druck und 3D-Schriftart“.


 

Nützliches Zusatzwissen

Schon mal von Majuskeln, Versalien oder Minuskeln gehört? Eine Majuskelschrift besteht ausschließlich aus MAJUSKELN, sprich, Großbuchstaben. Und diese Großbuchstaben werden unter Druckern Versalien bezeichnet, weshalb die Majuskelschrift auch unter dem Begriff Versalschrift bekannt ist. Das Gegenteil der MAJUSKELN sind die minuskeln, demnach Kleinbuchstaben.

 

Quellen:
– http://www.graphiline.com/article/24270/aldo-manuzio-crea-t-l-italique?utm_source=Graphiline-Hebdo&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter&utm_content=lien-article-texte
– http://www.ruhr-uni-bochum.de/sprachwerk/mam/content/schreibschrift_vs_druckschrift.pdf
– https://www.uni-mannheim.de/mateo/desbillons/aldus/seite2.html
– https://de.wikipedia.org

 


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