Erstellt am Freitag, 5. Juni 2015 13:26 von Sebastian Kimmel

Ein Fotobuch mit gedruckten Lautsprechern

fotobuch

Sie nennen es „T-Book“ und sprechen von einer Revolution. Mitarbeiter und Studenten des Instituts für Print- und Medientechnik der Technischen Universität Chemnitz haben eine neue Form des Buchs entwickelt: Ein spezielles Fotobuch mit gedruckten Lautsprechern. Das „T“ im Namen steht für Ton.

Ein Fotobuch erwacht zum Leben

Das erste Exemplar dieses neuartigen Buches wurde anlässlich der Eröffnung des 58. World Press Photo-Wettbewerbs im April diesen Jahres vorgestellt. Auf 100 Seiten werden die besten Pressefotos des Jahres in hoher Auflösung präsentiert. Highlight des querformatigen Fotobuchs sind aber nicht die Abbildungen, sondern die Zusatzfunktionen, die es bietet: Jedes Foto ist mit akustischen Informationen unterlegt. Beim Aufschlagen einer Seite ertönen direkt aus dem Papier Stimmen, Geräusche und Musik, die auf die Stimmung des Bildes abgestimmt sind. Die ohnehin ausdrucksstarken Bilder erwachen somit gleichsam zum Leben, zieht den Betrachter noch tiefer in ihren Bann und versorgen ihn mit interessanten Fakten zu ihrer Entstehungsgeschichte.

Hier das Video zur Präsentation:

Eine technische Meisterleistung

Hinter den Effekten steckt eine innovative Technologie, an der die TU Chemnitz bereits seit vielen Jahren intensiv arbeitet: gedruckte Elektronik. Für das Fotobuch wurde eine hauchdünne Schicht aus einem piezoelektrischen Polymer auf ein Blatt Fotopapier gedruckt. Wird an diese Schicht eine elektrische Spannung angelegt, beginnt sie zu schwingen und erzeugt auf diese Weise Töne. Das Papier mit den gedruckten Lautsprechern wurde anschließend mit einem zweiten Blatt zusammenlaminiert und auf den Außenseiten mit den hochauflösenden Bildern bedruckt.

Ein ebenfalls gedruckter Sensor erkennt, welche Seite aktuell aufgeschlagen ist. Die Sounds sind auf einer SD-Karte gespeichert, die gemeinsam mit Batterien und Ansteuerelektronik im Cover des Fotobuches untergebracht ist.

Fotobuch elektronische Bauteile

Die Steuerungselektronik und die Batterie sind im Cover des Buches untergebracht. | Quelle: pmTUC

Hightech-Bücher – Die Zukunft?

Die Macher des sprechenden Fotobuches sind sich sicher, dass ihnen „ein Meilenstein in der Entwicklung gedruckter Informationen“ gelungen ist. Prof. Dr. Arved C. Hübler, federführend an dem Projekt beteiligt, wird in der offiziellen Pressemitteilung der TU Chemnitz gar so zitiert: „Die Tablets der Zukunft werden auf Papier gedruckt, und das T-book gibt einen ersten Ausblick, was alles möglich sein wird.“

Ob sich diese Prognose bewahrheiten wird, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings, dass Augmented Reality-Anwendungen schon heute immer stärker auf dem Vormarsch sind. Man denke beispielsweise an IKEAs interaktiven Katalog oder Printanzeigen, die auf Berührung reagieren.

Die Grenzen zwischen einst streng voneinander getrennten Kanälen verschwimmen zusehends. Crossmedia und Multichannel werden – nicht nur im Marketing – immer wichtiger. Mit Fortschreiten der technischen Möglichkeiten ist es durchaus denkbar, dass um Audio-Effekte erweiterte Printprodukte zukünftig zum Standard werden. Und warum bei Klängen aufhören? Schon heute ist es möglich, grafische Displays zu drucken. Gut möglich, dass Magazine oder Flyer in Zukunft Videos abspielen können. Und damit sind wir tatsächlich bei einer ähnlichen Vision wie dem gedruckten Tablet. Auf der Website, die eigens für das Fotobuch erstellt wurde, wird das T-Book jedenfalls als neueste Stufe in der Evolution des Buches präsentiert – in einer Reihe mit der Erfindung der Schrift, des Buchdrucks und des E-Books.

 

Was denken Sie? Wie sieht die Zukunft des Buches aus? Sehen wir weitere Augmented Reality-Anwendungen oder muss sich Print langfristig doch dem Digitalen geschlagen geben?

 

Quelle: The T-Book, Pressemitteilung der TU Chemnitz

 

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Neueste Artikel

Die fabelhafte Welt der Papierveredelungen: Sonderfarben Veredelungen

Sonderfarben sind die Extravaganten unter den Druckfarben. Bei Sonderfarben handelt

weiterlesen

„eigenleben“ der Klara-Oppenheimer-Schule Würzburg gewinnt bayerischen Schülerzeitungspreis „Blattmacher“

„eigenleben“ – Ein Design-Projekt der Berufsschulklasse unseres Auszubildenden zum Medienkaufmann:

weiterlesen

Und fertig ist der Lack! Die unterschiedlichen Drucklacke – Thermolack

Hitzkopf? Chamäleon? Der Thermolack ist beides! Denn der extravagante Effektlack

weiterlesen
Top Artikel

Die 10 Gebote der Schriftauswahl

Comic Sans. Muss man mehr sagen? Wenn Sie nicht zufällig

weiterlesen

Wie viel Kreativität darf es sein? 14 Beispiele für gelungene Bewerbungen

Gerade für Kreative ist es eine schwierige Frage: Gestalte ich

weiterlesen

Schwarz oder Tiefschwarz — Schwarz in den Druckdaten richtig anlegen

Schwarz ist doch schwarz, oder nicht? Ja, aber es gibt

weiterlesen