Erstellt am Montag, 5. September 2016 9:00 von Redaktion

Brutalismus in Papierform

Das polnische Designstudio Zupagrafika hat sich dem Brutalismus verschrieben. Und da Papier das Lieblingsmaterial der beiden Designer David Navarro und Martyna Sobecka darstellt, lag der Schritt nahe, diese beiden Dinge, die nicht gegensätzlicher sein könnten, miteinander zu verbinden. Und zwar auf äußerst kreative Weise. Zupagrafika hat zahlreiche – mal mehr oder weniger berühmte – Bauten des Brutalismus im Miniformat auf Recyclingpapier und Karton wiederauferstehen lassen. Der Clou: Man kann diese als Modellsatz für sechs Euro käuflich erwerben.

Brutalismus in Papierform, Stadt aus Papier

Bildquelle: http://www.zupagrafika.com/zupamarket_en.html

Roh und ungeschliffen: Der Brutalismus

Wenn man das erste Mal ‚Brutalismus‘ hört, zuckt man unweigerlich zusammen, so martialisch mutet dieses Wort an. Dahinter steht jedoch der recht neutrale französische Begriff béton brut, was einfach ‚roher Beton‘ beziehungsweise ‚Sichtbeton‘ heißt. Und genau darum geht es: um die Sichtbarmachung der Konstruktion und des Materials.

Brutalismus in Papierform, Stadt aus Papier

Diese neue Offenheit war seinerzeit gänzlich neu, stellte Vergangenes in Frage, löste aber auch große Kontroversen aus – bis heute. Viele Menschen verbinden mit Brutalismus nichts Gutes. Das wohl bekannteste Beispiel: Prinz Charles, der britische Thronfolger. Laut diesem habe die brutalistische Bauweise mehr Schaden angerichtet als der Zweite Weltkrieg. Ganz schön harter Tobak.

Le Corbusier

Doch was ist der Brutalismus eigentlich genau? Der Brutalismus war eine Strömung in der Architektur der 50er, 60er und 70er Jahren, welche maßgeblich vom schweizerisch-französischer Architekten Le Corbusier beeinflusst worden war. Le Corbusier verabscheute alles Schnörkelige, für ihn waren rechteckige Formen und Kuben das Maß aller Dinge. Er wollte sich von der Vergangenheit verabschieden und den Weg in ein neues Architektur-Zeitalter ebnen. Und wenn der Kubus das Maß der Form war, war das Lieblingsmaterial der Beton – am besten roh und ungeschliffen.

Beton

Beton ist übrigens keine Erfindung der Neuzeit. Der Baustoff wurde, allerdings in einer anderen Mischung, bereits von den Römern verwendet. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Kolosseum von Rom, welches ohne Beton gar nicht existieren würde. Beton ist somit ein Material für die Ewigkeit, auch das Kolosseum steht bis heute.

Betonbalkone, Brutalismus, Papier

Bildquelle: https://pixabay.com/de/garage-farbspiel-grau-beton-1362069/

Die Exemplare der 60er und 70er Jahre werden hingegen heutzutage häufig als Bausünden verschrien: Hochhäuser, häufig Sozialbauten, die ungemütlich und abweisend wirken. Anonyme Wohnmaschinen, in welchen Gewalt an der Tagesordnung ist. Alles andere als ein Ort, an dem man gerne wohnen möchte. Ganze Viertel entstanden so auf dem Reißbrett und wurden dann im Anschluss daran auf der grünen Wiese erbaut.

In Deutschland hat ein bestimmtes Buch beziehungsweise Film auf die damit verbundene Misere aufmerksam gemacht: „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, in welchem die Protagonistin in der Berliner Gropiusstadt aufwächst. Doch auch in anderen Ländern existierten und existieren solche Viertel, in Frankreich etwa die berühmt-berüchtigten Banlieues.

 Brutalismus in Papierform, Hochhaus aus Papier

Bildquelle: http://www.zupagrafika.com/zupamarket_BALFRON_TOWER_english.html


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Brutalismus – James Bond – Goldfinger

In London gibt es zum Beispiel den sogenannten Balfron Tower, welcher vom Architekten Ernö Goldfinger entworfen wurde und zwischen 1965 und 1967 erbaut wurde. Der Name kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Das ist gut möglich, denn der besagte Architekt war der Namensgeber des James-Bond-Schurken Auric Goldfinger im gleichnamigen Film.

Ian Fleming, der „Erfinder“ der Roman- und Filmfigur James Bond hasste den Brutalismus wie kein anderer. Und so lag es für ihn nahe, dem Bösewicht den Namen des für diesen Baustil stehenden Architekten zu verpassen. Ernö Goldfinger fand das jedoch alles andere als amüsant und schmeichlerisch und wollte Fleming sogar verklagen.

Brutalismus in Papierform, Hochhaus aus Papier

Bildquelle: http://www.zupagrafika.com/zupamarket_BALFRON_TOWER_english.html

Goldfinger hat in London übrigens noch ein weiteres Hochhaus entworfen, den 31-stöckigen Trellick Tower. Dieses Gebäude brachte ihm zweifelhaften Ruhm, denn die Regenbogenpresse nannte das Hochhaus häufig „Turm des Schreckens“. Seinen Ruf konnte der Architekt bis zu seinem Tod nicht mehr rehabilitieren. Mittlerweile steht das Bauwerk unter Denkmalschutz und gehört zur Statutory List of Buildings of Special Architectural or Historic Interest vom Grad II.

Balfron Tower: Nachbildung aus Karton vs. rechts das Original

Brutalismus in Papierform, Hochhaus aus Karton, Balfron Tower

Und wenn Sie noch mehr über Umwelt lesen möchten, dann empfehlen wir Ihnen folgende Blogartikel: „Grüner wird’s nicht: Rollenoffsetprodukte und Umwelt“, „Umweltfreundliche Broschüren“ und „Umweltfreundliche Druckerei: Umwelt und Natur bei xposeprint“. Viel Spaß beim Lesen!


Quellen:
– http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/james-bond-erfinder-ian-fleming-mit-zweitrangigem-gab-er-sich-nie-zufrieden-1550611.html
– http://www.graphiline.com/article/23262/paris-ville-de-beton-de-papier
– http://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article150553124/Verdienen-Betonkloetze-wirklich-Denkmalschutz.html
– http://www.zupagrafika.com/zupamarket_en.html
– http://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article150553124/Verdienen-Betonkloetze-wirklich-Denkmalschutz.html
– www.wikipedia.org

 


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