Erstellt am Dienstag, 17. Juni 2014 13:27 von Sebastian Kimmel

Schwarz oder Tiefschwarz — Schwarz in den Druckdaten richtig anlegen

TiefschwarzSchwarz ist doch schwarz, oder nicht? Ja, aber es gibt eben auch schwärzer als schwarz — vor allem im Offsetdruck gilt das besonders für schwarze Flächen. Beispielsweise wirken Flächen, die nur aus 100 K bestehen, oftmals relativ blass und unruhig. Warum ist das so? Dieser Frage gehen wir im Blogartikel nach.

 

CMYK-Farbraum und Grenzwerte

Betrachten wir uns dazu mal den Farbaufbau im CMYK-Farbraum. Dort enthält der hellste CMYK Farbwert keine Farbe: 0,0,0,0 also das Papierweiß. Da könnte man meinen, der dunkelste Punkt im CMYK Farbraum sei nun der höchstmögliche Farbwert mit 100,100,100,100. Das stimmt auch, aber so ein Farbwert mit 400% Farbe ist produktionstechnisch nicht möglich, denn da würde die Farbe nicht richtig trocknen und während des Druckprozesses verschmieren oder verkleben. Außerdem kann sich das Papier durch so viel Farbe wellen. Deshalb ist z.B. im Standard-Druckfarbraum für Papierklasse 1 (gestrichene Papiere) ein maximaler Farbauftrag von 350% festgesetzt. Für Papierklasse 4 (Offset-Papiere) gilt sogar ein maximaler Farbauftrag von 270%. Damit wird klar: mehr Farbe macht das Papier immer dunkler und nur 100% K ist noch lange nicht der dunkelste Punkt im Farbraum.

 

Die Grenzen des Machbaren

Besteht das beste Tiefschwarz nun aus 350% Farbe? Nein, auf keinen Fall, denn so ein hoher Farbauftrag bringt viele Probleme mit sich. Je mehr Farbe auf dem Papier ist, desto leichter kann die Farbe schmieren. Bei über 300% Farbauftrag fängt das Papier sogar an, miteinander zu verkleben. Die Grenze des praktisch Machbaren ist also erreicht. Das nächste Problem ist der Passer. Sind Elemente wie Linien, Schriften, oder gar Negativschriften mit Tiefschwarz aufgebaut, wird es bei zunehmender Farbanzahl immer schwerer, einen sauberen Passer hin zu bekommen. Texte legt man deswegen generell nur im 100K an, es sei denn, es handelt sich um so große Buchstaben, dass sie als Flächen wirken. Bei Flächen gilt: Finde deinen Kompromiss zwischen tiefster Schwärze und technisch Machbarem.

 

Was also ist das beste Tiefschwarz, das es gibt?

Ein echtes Tiefschwarz gibt es nur als hochpigmentierte Sonderfarbe Schwarz, die dann im doppelten Druckdurchgang auf das Papier gebracht wird. Wenn es aber darum geht, sich im Standard-CMYK-Farbraum zu bewegen, lautet die einfache, aber wenig hilfreiche Antwort: Das beste Tiefschwarz gibt es nicht. Jeder muss sich selbst für sein Lieblings-Tiefschwarz entscheiden und Empfehlungen gibt es viele. Wir zeigen Ihnen ein paar bewährte Schwarzwerte, die man gut verwenden kann.

 

  • Bewährt hat sich zum Beispiel CMYK: 50,40,0,100. Das ist ein tiefes Schwarz, dass trotzdem eine gewisse Neutralität besitzt.
  • Erhöht man den Magentaanteil, wirkt das Schwarz wärmer, verwendet man mehr Cyan, wirkt das Schwarz kühler, z.B. bei 50,0,0,100.

 

Typische Probleme

Vorsicht ist geboten, wenn man z.B. mit einer schwarzen Fläche einen vielfarbenen Hintergrund abdecken möchte. Wird die schwarze Fläche noch auf Überdrucken gestellt, sieht man das Motiv im gedruckten Ergebnis durch die 100K Fläche voll durch.

Man beachte dabei, dass eine Monitorvorschau von unterschiedlichen Schwarztönen Tiefschwarz so gut wie nicht möglich ist. Farbnuancen im Schwarzbereich darzustellen sind sogar für einen Proofer eine echte Herausforderung.

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