Erstellt am Montag, 4. April 2016 12:22 von Redaktion

Textscape: 3D-Druck und 3D-Schriftart

An was denken Sie, wenn Sie das Wort ‚New York‘ hören beziehungsweise lesen? Wahrscheinlich an jede Menge Menschen, Autos und natürlich an eine exorbitante Anzahl von Wolkenkratzern. New York beherbergt ungefähr 5.800 Hochhäuser mit mehr als zwölf Stockwerken. Wie wäre es, die Megacity nicht nur als reines Gedankenkonstrukt im Kopf oder als trockenen Text zu haben, sondern als interaktive 3D-Karte mit einer ganz besonderen 3D-Schriftart?

3D Druck, 3D-Schriftart

Bildquelle: www.arch.hawaii.edu

Von dieser Idee war wohl auch Dr. Zhou Hongtao, Juniorprofessor für Architektur an der Universität Manoa auf Hawaii, angetan. Ihm war aufgefallen, wie sehr sich Typografie und Topografie ähneln. Und da er nicht nur Uni-Professor, sondern auch Künstler ist, hat er sich dem Thema auch gleich angenommen.

3D Druck, 3D-Schriftart

Bildquelle: http://www.designboom.com/

3D-Schriftart

Im Zuge einer Ausstellung entwickelte Zhou Hongtao gemeinsam mit drei seiner Studenten eine spezielle 3D-Schriftart: Textscape. Mit dieser 3D-Schriftart ist es nun möglich, aus einem gewöhnlichen Text eine spektakuläre Textlandschaft entstehen zu lassen. Dadurch erlangt der Text eine ungeheure Lebendigkeit und bekommt einen fast skulpturalen Charakter. Ideal für die Darstellung von Städten wie New York. Beim Wort ‚Textscape‘ handelt es sich übrigens um ein sogenanntes Portmanteauwort, das heißt eine Wortverschmelzung aus dem Wort ‚Text‘ und dem Wort ‚landscape‘, was auf Deutsch ‚Landschaft‘ bedeutet.

Zhou Hongtao, 3D-SchriftartFür die meisten Deutschen gilt der im 15. Jahrhundert lebende Johannes Gutenberg als Erfinder des Buchdrucks. Dank beweglicher Metalllettern war es nun möglich, Bücher in relativ kurzer Zeit in großen Auflagen zu vervielfältigen. Der Beginn der Massenproduktion von Büchern. Dadurch erschloss sich ein ganz neuer Kunden- und Lesekreis. Menschen die nie zuvor mit Büchern in Kontakt gekommen waren, hatten nun Zugriff darauf.

Der Buchdruck ist aber weitaus älter. Bereits die Chinesen fertigten in der Song-Zeit (960–1279) in zahlreichen Werkstätten Holzreliefs. Der Holzblock wurde anschließend eingefärbt und auf Papier gepresst. Und da immer nur Schwarz-Weiß langweilig ist, gab es dementsprechend auch farbige Holzschnitte. Der gebürtige Chinese Zhou Hongtao sieht hier ganz klar eine Verbindung. Seine 3D-Schrift sei eine Weiterentwicklung der alten Holzschnitte mit dem Unterschied, dass es hier weniger um die Vervielfältigung von Texten geht, sondern um die Schaffung eines Kunstobjekts.

3D Druck, 3D-Schriftart

Bildquelle: www.arch.hawaii.edu

Textscape hat aber noch weitere Vorzüge zu bieten. Durch die Fühlbarkeit, durch das Vorhandensein von Höhen und Tiefen eignet sich die Schriftart auch hervorragend als Blindenschrift, wie auf dem Bild zu sehen ist.


Fasziniert von 3D? Dann interessieren Sie sich vielleicht auch für diesen Artikel: „Eine Hotel Suite aus dem 3D-Drucker“ . Viel Spaß beim Lesen!


Tausendsassa

3D Druck

Bildquelle: www.arch.hawaii.edu

Zhou Hongtaos kreativer Eifer scheint nahezu grenzenlos zu sein. Neben seiner 3D-Schrift hat er zum Beispiel die Silbermedaille beim internationalen Schneeskulpturen-Wettbewerb gewonnen. Und dass er auch auf diesem Gebiet höchstes Talent beweist, ist auf dem Bild zu sehen, wo eine seiner Skulpturen zu sehen ist. Auch Holz scheint ihm ein vertrauter Werkstoff zu sein, sonst hätte er wohl kaum den ersten Platz bei der internationalen Holzbearbeitungsmesse in Atlanta gewonnen. Wir sind gespannt, was als nächstes kommt!

Quellen:
www.arch.hawaii.edu/content/hongtao-zhou
http://www.druckstelle.info/de/holzschnitt.aspx
http://www.designboom.com/art/hongtao-zhou-3d-printed-textscape-extruded-typography-01-13-2015/
www.hongtaozhou.com/home.html
www.huffingtonpost.com/2015/03/11/hongtao-zhou-textscapes_n_6599496.html
http://m.interiordesign.net/articles/8911-big-ideas-jumping-off-the-page/

 


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